Die Krise, die nicht kommt. Teil 4

Die Krise, die nicht kommt. Teil 4

Vor 2 Jahren hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass Corona Anfang 2022 noch immer das bestimmende gesellschaftliche und wirtschaftliche Thema sein wird. Ob die Omikron-Variante der erwartete „Game-Changer“ zu einer Rückkehr zur Normalität sein wird, bleibt zu hoffen. Fakt ist, dass die von der Finanz- und Sanierungsbranche erwartete Sanierungswelle unter österreichischen Betrieben noch immer nicht eingetreten ist und dahingehende Erwartungen jedes Quartal von Experten perpetuierend nach hinten geschoben werden.

Von den speziell im Fokus stehenden Branchen haben wir an dieser Stelle bereits Hotellerie, Automotive und Bau analysiert und dargelegt, wo die Gefahren für diese Branchen liegen. Heute wollen wir uns mit dem Thema Handel/Retail genauer befassen.

Mit 77.700 Unternehmen und 598.600 unselbständig Beschäftigten ist der Handel in Österreich der zweitgrößte Arbeitgeber und mit einem Gesamtumsatz von mehr als 266 Mrd. EUR einer der größten Wirtschaftssektoren in unserem Land.

Laut Handelsverband sanken die Ausgaben der privaten Haushalte in Österreich von 2019 bis 2020 von 206,5 Mrd. EUR um -6,8 % auf 192,5 Mrd. EUR. Inflationsbereinigt waren dies -8,2 %, wobei vor allem Dienstleistungen und der Kfz-Sektor vom Rückgang betroffen waren. Der Einzelhandel musste im selben Zeitraum ein Umsatzminus von rund -1,3 % verkraften. Mit einem Umsatzeinbruch von fast einem Viertel wurde der Modehandel am schlimmsten getroffen. Aber auch Wintersportgeräte-, Schmuck- und Schuhhändler hatten harte Verluste zu beklagen. Vor allem Händler in Tourismusgebieten sowie Großhändler, welche die Gastronomie beliefern, mussten dramatische Umsatzausfälle bis hin zu Totalausfällen schultern.

Im Zuge der Pandemie und der damit im Zusammenhang stehenden Maßnahmen der Bundesregierung, mussten im Jahr 2020 in Österreich 4.040 Geschäfte schließen. Ein Trend, der sich lt. Handelsverband fortsetzen wird.

Statistik Austria veröffentlichte inzwischen die relevanten Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2021. Der österreichische Einzelhandel setzte in diesem Zeitraum insgesamt nominell um 4,9% mehr um. Inflationsbereinigt bedeutet dies eine Zunahme im Absatzvolumen von 3,4%. Der Einzelhandel mit Nicht-Nahrungsmittel legte mit einem Plus von 6,0% deutlicher zu als der Lebensmittelhandel mit lediglich +2,1%. Vergleicht man diese Zahlen mit dem entsprechenden Vorkrisenzeitraum (also Januar bis September 2019), so war der Einzelhandelsumsatz im aktuellen Vergleichszeitraum real bereits um 3,3 % höher. Von dieser positiven Entwicklung ausgenommen war jedoch der Sektor „Bekleidung und Schuhe“ mit einem substanziellen Absatzrückgang von 21,4 % gegenüber 2019.

Der Handelsverband beklagt weiterhin, dass von Normalbetrieb keine Rede sein kann und seit die 2G-Regel in Geschäften (mit Ausnahme der Grundversorger) eingeführt wurde, die Kundenfrequenz um ein Viertel eingebrochen ist. Weiters zeigt man sich von der bisherigen Abwicklung der versprochenen Hilfen enttäuscht.

Dass die vergangenen Lockdowns nicht spurlos an der Branche vorbeigezogen sein können, belegt auch folgender Vergleich: In 2021 kamen auf 302 Werktage 77 Tage im Lockdown. Statistisch gesehen war also jeder 4. Verkaufstag geschlossen. Darüber hinaus waren aufgrund der 2G-Regel alle Konsumenten ohne grünen Pass von den Geschäften ausgeschlossen.

Es ist daher evident, dass sich tausende Geschäfte und damit wirtschaftliche Existenzen nach wie vor nahe dem Abgrund bewegen.

Die weitere Entwicklung der Branche liegt in den Händen der Politik. Entscheidend wird sein, wie lange die 2G-Regel politisch zu halten ist. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint ein weiterer Lockdown allerdings unrealistisch.

Mag. Markus Tischelmayer, CTE
Managing Partner Wien
+43 676 633 78 83

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