Die Kostenrechnung als Quelle der Fehlentscheidung

Die Kostenrechnung als Quelle der Fehlentscheidung

 

Bereits mehrfach wurde an dieser Stelle auf die Problematik einer hohen Variantenvielfalt als Ursache für eine ganze Reihe an Problemen in produzierenden Unternehmen eingegangen, etwa im Artikel „Überbordende Variantenvielfalt als Komplexitätstreiber“. Es wurde aber ebenso festgestellt, dass eine hohe Varianz im Absatzprogramm per se nicht gut oder schlecht ist und somit nicht automatisch die Ursache der Probleme sein muss. Jedoch wird die Varianz in vielen Fällen, bedingt durch eine fehlende oder nicht adäquate Abbildung in der Kosten- und Leistungsrechnung, faktisch trotzdem zur Ursache des Problems.

 

Warum ist die traditionelle Kostenrechnung nicht in der Lage, Variantenkosten richtig abzubilden?

Unter der hier erwähnten „traditionellen Kostenrechnung“ ist konkret die Zuschlagskalkulation zu verstehen, da diese Methode in sehr vielen Unternehmen zur Anwendung kommt.

Man unterscheidet zwischen Einzelkosten, die dem Produkt direkt zurechnenbar und auch mehr oder weniger gut erfassbar sind. Etwa Produktionsmaterial oder auch der Dieselverbrauch pro definierter Strecke sowie „Gemeinkosten“. Gemeinkosten umfassen daher alle anderen Kosten, die sich zwar auch im Produktpreis wiederfinden müssen, jedoch dem Produkt nicht direkt zurechenbar sind, bspw. die Kosten der Verwaltungsbereiche, IT-Kosten, Erhaltungskosten für Anlagen, Gebäude udgl. Viele dieser Kostenpositionen werden auch den Fixkosten zugerechnet. Da es sich dabei um „alle anderen“ Kosten handelt und diese aber einen erheblichen Kostenblock darstellen, stellt sich nun die Frage der „Verursachungsgerechtigkeit“.

Im Kontext der Kostenrechnung lassen sich im Vergleich zwischen den heutigen und damaligen Rahmenbedingungen 2 wesentliche Unterschiede feststellen:

  1. Die Einzelkosten - insb. der Materialanteil an einem Produkt - waren damals im Verhältnis höher.
  2. Die Produktion war in „vor-IT-Zeiten“ weniger flexibel und eher auf Serienprodukte ausgelegt als heute, wo es Fertigungsautomaten udgl. gibt.

Die traditionelle Kostenrechnung, wie man sie in der Praxis heute sehr oft findet, ist deshalb oftmals nicht in der Lage, die Kosten der Variantenvielfalt korrekt abzubilden, da die Unterschiede in den Varianten durch sich stark unterscheidende Prozesse zur Herstellung eines Produktes entstehen und meist nicht einfach nur durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien.

Diese Kritik ist keinesfalls so zu verstehen, dass die Kostenrechnung methodisch oder theoretisch falsch wäre. Sie bezieht sich auf den Umstand, dass ein Werkzeug, welches für die Situation der 1950er Jahre entwickelt wurde, heute noch weitgehend unverändert für völlig anderslautende Fragestellungen angewandt wird.

 

Fazit
Die Durchschnittsbildung über kalkulatorische Aufschläge birgt vielfältige Gefahren bei Variantenfertigern, da die Kostenwahrheit in der Regel darunter leidet. Bei einem heterogenen Absatzprogramm wird man sich daher regelmäßig „rauskalkulieren“ und eigenltich lukrative Aufträge nicht anbieten, oder ohne es zu merken verlustbringende Aufträge anbieten. Damit die Kostenrechnung nicht zur Quelle der Fehlentscheidung wird, lohnt es sich, diesem oft als selbstverständlich vorausgesetzten unternehmerischen Bereich die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Wir von ACTUM können Sie dabei auf unterschiedliche Arten unterstützen
Zunächst versuchen wir gemeinsam mit unseren Kunden jene variantenbestimmende Faktoren zu identifizieren und stellen die Variantenvielfalt anschaulich dar. Daneben analysieren wir die Tauglichkeit des Kalkulationssystems hinsichtlich Datenqualität, Granularität udgl. mehr. Im Sinne der Praxistauglichkeit streben wir in der Regel nicht nach einem komplett neuen Kostenrechnungssystem, sondern versuchen, Rahmenbedingungen und Eingangsparameter derart zu adaptieren, dass bestehende Kalkulationslogiken weiterverwendet werden können. Parallel dazu gehört die Bewusstseinsbildung, dem Ergebnis einer Kalkulation nicht blind zu vertrauen, zum Schwerpunkt derartiger Projekte.

 

[Mag. Thomas Falkensammer]

Mag. Thomas Falkensammer
Manager
+43 664 391 43 73

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