Alternative Finanzierungsformen: Wer finanziert mich neben meiner Hausbank - Quo Vadis

Alternative Finanzierungsformen: Wer finanziert mich neben meiner Hausbank – Quo Vadis

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Ein Aspekt, der Unternehmen und dessen Management stetig beschäftigt und enorme Effekte mit sich bringen kann, ist die Frage der bestmöglichen Finanzierungsvariante bzw. der optimalen Finanzierungsstruktur. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie stellt sich für viele Unternehmen die Frage: Welche Finanzierungsmöglichkeiten habe ich neben der klassischen Hausbank oder den „Corona-Kreditmöglichkeiten“ noch, um das Unternehmen nachhaltig und stabil zu finanzieren?

Einige Möglichkeiten, die Finanzierungsstruktur des Unternehmens stabil, nachhaltig, fristenkongruent und optimal auszugestalten, sollen anschließend beleuchtet werden. 

Leasing und Mietkauf

Leasing und Mietkauf werden in mannigfachen Ausprägungen bereits von sehr vielen Unternehmen des Mittelstandes genutzt. Diese Finanzierungen werden (Ausnahme: Fuhrpark) häufig von Schwesterunternehmen der Hausbanken offeriert. Durch klassisches Leasing (Off-Balance-Financing) kommt es zu keiner Bilanzverlängerung (Vorteil!), die die Eigenkapitalquote unter Umständen vermindern und entsprechende Auswirkung auf die URG-Kennzahlen (in Österreich) mit sich bringen würde. Mietkauf wird oft/meist dann gewählt, wenn eine Aktivierung des Anlagegutes aus Unternehmenssicht notwendig ist (hinsichtlich etwaiger Förderung, etc.). Leasing und Mietkauf sind auch als Sale-and-Lease-Back (SLB) zielbewusst in Krisenzeiten ein gut einsetzbares Mittel, um zusätzliches Kapital zu generieren.

Factoring

Beim Factoring, ebenfalls im Mittelstand längst weit verbreitet, kommt es neben den Konditionen vor allem auf eine geschickte Umsetzung an. Da die Erstauszahlung meist mit einer Teilrückführung des Bestandsobligos aufgrund der notwendigen Zessionsfreigabe seitens der Banken verbunden ist, kann bei einem saisonal schwankenden Forderungsverlauf das richtige Timing darüber entscheiden, ob es zu einer Liquiditätszufuhr im Jahresverlauf oder lediglich dem Tausch eines Finanzierungspartners kommt. Echtes Factoring führt ebenfalls zu einem Bilanzverkürzungseffekt mit positiver Auswirkung auf die Eigenkapitalquote (siehe „Leasing und Mietkauf“). 

Reverse Factoring bzw. Finetrading

Die Einkaufs- oder Lagerfinanzierung, auch Reverse Factoring bzw. Finetrading genannt, ist insbesondere dann interessant, wenn bestehende Finanzierungslinien nicht genügen und etwaige Skonti bei den Lieferanten dadurch nicht ausgeschöpft werden können. Die Einkaufsfinanzierung stellt eine Vorfinanzierung des Wareneinkaufs, meist als kostengünstige Alternative zur Kontokorrentausnützung, dar. Beim Finetrading handelt es sich um eine Zwischenfinanzierung, bei der die Zahlungsziele (ggü. dem Hersteller/Lieferanten) verlängert werden. Voraussetzung für diese Finanzierungsform ist ein entsprechendes Deckungslimit einer Kreditversicherung für das Unternehmen.

Vendor Finance

Bei der Absatzfinanzierung, auch Vendor Finance genannt, wird dem Kunden in Kooperation mit der Hausbank oder dem Finanzpartner eine Finanzierung mitangeboten, damit ein rascher Mittelzufluss erfolgt. Es handelt sich demnach um eine Möglichkeit, durch Finanzierungsvermittlung den Absatz von Produkten/Dienstleistungen zu erhöhen. Insbesondere der Versandhandel und die KFZ-Branche nutzt dieses Instrumentarium.

Bankenunabhängiges Fremdkapital

Bankenunabhängiges Fremdkapital (Unternehmensanleihen, Inhaber-Teilschuldverschreibungen) kommt bei größeren mittelständischen Unternehmen, oft mit entsprechender Publikumswirkung (Marke, Marktstellung) zunehmende Bedeutung zu. Passende Produkte können durch das Corporate Finance-Team der ACTUM Performance Group, gerne auch in Zusammenarbeit mit der Hausbank des Unternehmens, konzipiert und platziert werden.

Mezzaninkapital

Finanzierungen, die zwischen Eigenkapital und Fremdkapital angesiedelt sind und je nach Ausgestaltung (z. B. Nachrangigkeit) eher dem Eigenkapital (bspw. Genussrechte, wertpapierverbriefte Genussrechte, stille Beteiligungen) oder Fremdkapital (beispielsweise Gesellschafterdarlehen, patriarische Darlehen) zugeordnet werden können. Es bedarf einer individuellen Beurteilung der Unternehmenssituation, ob und in welcher Form dies eine geeignete Finanzierungsform ist. Im klassischen Falle erhält das Unternehmen Eigenkapital, für das den Kapitalgebern allerdings meist keine Einflussnahme, Stimmrechte oder Residualansprüche gewährt wird. Ein Vorteil von Mezzaninkapital ist es, dass die Ausgestaltung (Laufzeit, Kündigungsmöglichkeiten, Verzinsung, Gewinnbeteiligungen) sehr flexibel vereinbart werden können. Das Corporate-Finance-Team der ACTUM Performance Group berät gerne bei der Konzeption und Umsetzung des geeigneten Mezzanin-Instruments.

[Karl Ibscher]

Dr. Karl Ibscher
Managing Partner

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